Geleitwort der Vorsitzenden der Bezirksversammlung Eimsbüttel

9. Oktober 2019, es ist Jom Kippur. In Halle an der Saale versucht ein bewaffneter Mann in eine Synagoge einzudringen, um die dort versammelten Gottesdienstbesucher*innen zu töten. Nachdem ihm dies auch mit Waffengewalt nicht gelingt, erschießt er eine Passantin vor der Synagoge und wenig später den Gast eines Imbisslokals nahe der Synagoge. Mitten in Deutschland, am höchsten jüdischen Feiertag, dem Versöhnungstag, versucht ein Mensch, Besucher*innen eines jüdischen Gottesdienstes zu erschießen. Fassungslos verfolgen wir an diesem Tag die Nachrichten und uns wird klar: Hass und Gewalt gegen Andersgläubige, gegen Fremde, gegen andere Kulturen, all dies gehört leider immer noch zu unserem Alltag.

Nicht nur in Halle kommt es im vergangenen Jahr zu rechtsradikaler Gewalt, auch in Hanau fallen im Februar zehn Menschen einem rechtsradikalen Attentäter zum Opfer. Rechter Terror mitten in unserer Gesellschaft. Dem Wiedererstarken rechtsradikaler Strukturen und faschisti- schen Gedankenguts gilt es Einhalt zu gebieten. Das ist unsere gemeinsame Verantwortung als Teil dieser Gesellschaft. Immer wieder müssen wir uns daher in Erinnerung rufen, welche Gräueltaten am jüdischen Volk, aber auch an Sinti und Roma, Homosexuellen, Menschen mit Behinderungen und Kommu- nisten von den Nazis verübt wurden. Die Zeitzeugen werden immer weniger, und oft scheinen die furchtbaren Taten der Nazis in weiter Entfernung und ohne Bedeutung zur Gegenwart zu sein.

Doch weder Hass noch Faschismus sind aus den Köpfen der Menschen verschwunden. Darum gilt es, die Erinnerung an diese Gräueltaten konsequent in Erinnerung zu halten.

Als Bezirksversammlung und Bezirk Eimsbüttel und Stadt Hamburg konnten wir im vergangenen Jahr einige wichtige Projekte der Erinnerungskultur auf den Weg bringen: Am Bornplatz, mitten im jüdischen Viertel des Bezirks, dem Grindelviertel, soll eine Synagoge wiedererrichtet werden. Im Oktober haben wir beschlossen, den Platz rund um den Verkehrs- kreisel im Grindelhof in Arie-Goral-Platz umzubenennen. Ein besonders herausragendes Projekt in Eimsbüttel ist der Monat des Gedenkens, der bereits zum siebten Mal ausgerichtet wird. Wie jedes Jahr ein Monat voller spannender, lehrreicher, manchmal sehr ernsthafter und manchmal auch heiterer Veranstaltungen. Im Ihnen vorliegen- den Heft nden Sie zahlreiche und ganz verschiedenartige Angebote ehrenamtlich engagierter Menschen, die sich gemeinsam mit der Politik für ein lebendiges Erinnern einsetzen. Ich danke Ihnen allen von Herzen für Ihr wichtiges Engagement.

Ihre Dr. Miriam Putz
Vorsitzende der Bezirksversammlung Hamburg-Eimsbüttel